Von Lasagne und Wein

Seit einiger Zeit geistert ein Begriff durch die Selbstversorgerblogs und auch die Gartenmagazine überschlagen sich fast vor Lobeshymnen auf den neusten Trend.

Zitate aus Gartenblogs und -magazinen, Quellen: baumarkt.de, bauerngartenfee.de, eugolearning.org, garten-pflanzen.info, deavita.com

Zitate aus Gartenblogs und -magazinen, Quellen: baumarkt.de, bauerngartenfee.de, eugolearning.org, garten-pflanzen.info, deavita.com

Es geht um den Lasagnegarten beziehungsweise das Lasagnia Gardening, DER neuste heiße Shice aus Amerika! Naja, heiße Scheiße spielt tatsächlich eine Rolle, aber neu? Das nun wirklich nicht.

Die Gartenlasagne ist nur alter Wein in neuen Schläuchen, denn es ist nichts anderes, als der gute alte, mit Starkzehrern bepflanzte Schichtkomposthaufen.

Natürlich liest sich „Lasagne“ wesentlich appetitlicher als „Biomüllhaufen“ und in allen Beschreibungen liest es sich auch, als sei die Miete mal eben schnell angelegt und bepflanzt. Ganz so einfach ist es natürlich nicht.

Bis die Miete letztendlich steht und bepflanzt werden kann, vergehen Wochen oder je nach Größe des Gartens sogar Monate. Solange ist es kein hübscher Lasagnegarten, sondern tatsächlich nur ein hässlicher Haufen aus Biomüll und Altpapier.

Nichtsdestotrotz ist der Schichtkomposter eine tolle Möglichkeit, ungenutzte Fläche ohne viel Aufwand und sehr effizient wieder urbar zu machen. Und so funktioniert das:

Skizze einer bepflanzten Schichtkompostmiete. Die Schichten bestehen aus Pappe, Grünzeug, Küchenabfällen und Pappschnipseln. Die oberste Schicht besteht aus Substrat und ist mit Blumen bepflanzt.

So ist eine Schichtkompostmiete aufgebaut. Die Schichten aus Pappe locken Kompostwürmer an und sorgen für eine gute Durchlüftung.

Schritt für Schritt in Bildern

Eines unserer Beete lag im vergangenen Jahr brach und Beet und ein Teil der Wiese waren von einem großen flauschigen Polster aus Gundermann überzogen, ein leckeres Kraut mit bildhübschen, winzigen lila Blüten und ein Fest für die Insekten. Allerdings auch sehr hartnäckig. Gundermann zu bekämpfen ist eine echte Sysiphosarbeit, denn am Ende gewinnt er ja doch.

Gundermann in der Blüte

Gundermann in der Blüte.

Von Hacken und Jäten sind wir bekanntermaßen keine Fans und hätten damit auch wohl kaum eine Chance gehabt, deshalb wird das unscheinbare Kräutlein mit dem hohen Durchsetzungsvermögen im Beet einfach weggemulcht, woanders soll er machen, was er will.

Um ein von Beikräutern überwuchertes Beet oder ein Stück Wiese oder ähnliches zur Bepflanzung nutzbar zu machen, wird zunächst alles, was darauf wächst, mit einem Rasenrechen glatt runtergekämmt oder einfach mit den Füßen plattgetreten. Das ist sinnvoller, als vorher einmal darüberzumähen, denn frischgemähte Halme sind rasierklingenscharf und bohren sich problemlos durch jede Mulchschicht.

Plattgetretene Beikräuter an der Beetkante

Das ist jetzt ein aktuelleres Bild, darauf sind die plattgetretenen Beikräuter an der Beetkante sehr gut zu erkennen.

Nachdem der Bewuchs flach anlag, haben wir erst einmal alles an Grünschnitt einfach wahllos auf die Fläche geworfen. Zum einen, damit sich die Halme natürlich nicht wieder aufstellen, aber auch, damit eine kleine Vorrotte stattfinden kann und sich alle Mikroorganismen eifrig vermehren, denn die brauchen wir zwischen unseren späteren Schichten in großer Zahl, schließlich sie sind die Haupternährer unserer fleißigen Kompostwürmer.

Die Mulchschicht aus Garten- und Küchenabfällen dient gleichzeitig der Flächenkompostierung

Die Mulchschicht aus Garten- und Küchenabfällen dient gleichzeitig der Flächenkompostierung.

Flächenkompostierung mit Bewässerungsanlage

Ganz wichtig sowohl beim Mulchen als auch bei der Kompostierung – egal, ob Schicht oder Fläche – ist, den darunterliegenden Boden nicht austrocknen zu lassen. Für die paar Tage im Jahr, die es mal nicht regnet, haben wir uns eine Regenmaschine besorgt. Der Vorteil: während sich das Beet selbst gießt, sind wir längst beim Feierabendbier. 😉

Jetzt geht’s los mit dem Oger-Garten

Oger haben Schichten! Kompostmieten auch. Sobald alles ein wenig zusammengesackt ist, beginnt die eigentliche Schichtarbeit. Die Mulchschicht haben wir zunächst so weit wie möglich wieder abgetragen; wir brauchten die organische Masse, um unsere erste Schicht wieder abzudecken, weil um diese Jahreszeit noch nicht so viel Grünschnitt anfiel. Ihr könnt eure erste Schicht aber natürlich auch problemlos auf dieser bestehenden aufbauen – vorausgesetzt, ihr habt ausreichend Material.

Abgeräumtes unbepflanztes Beet nach zwei Wochen mulchen

So sieht es nach circa zwei Wochen mulchen aus.

Abgeräumtes Mulchbeet unbepflanzt. Hier nochmal in der Totalansicht.

Hier nochmal in der Totalansicht.

Hier wird sichtbar, dass sich in wenigen Wochen schon massenhaft feinkrümeliger und duftender Kompost gebildet hat, aber immer noch durchzogen von quietschfidelem Beikraut. Das muss natürlich auch noch weg, deshalb kommt die Lieblingsspeise der Würmer ins Spiel: Pappkarton!

Ein Pappkarton, dem eine Grabegabel stecktGrabegabel

Der Pappkarton kann – wenn nötig – passend zugeschnitten werden. Wenn ihr mehrere kleinere Kartons habt, fällt das entsprechend weg.

Von Plastikklebezeug und Metallklammern sorgfältig befreit, deckt die Pappe die Fläche lichtdicht ab. Entziehen wir den Pflanzen das Licht, kann keine Photosynthese stattfinden. Sie sterben ab, verrotten und verwandeln sich schlussendlich mit Hilfe der Bodenlebewesen in gute Erde.

Die Pappe dient auch der Durchlüftung der Miete, verhindert, dass feuchte Schichten zusammenkleben und damit unerwünschte anaerobe Gärprozesse anlaufen, die eine Kompostierung verzögern würden und auch noch wirklich fies nach Oger riechen. Außerdem lieben die Würmer die Pappe, sie zieht Kompostwürmer magisch an, die sich mit Heißhunger auf die Pappschichten stürzen, was auch eine Wurmflucht selbst eingebrachter Farmwürmer im Freiland effektiv verhindert.

Pappkarton mit Grabegabel und Löchern Detailansicht

Die Löcher in der Kartonschicht sind wichtig, damit das Wasser ablaufen kann und die Würmer und andere Bodenlebewesen unkompliziert das Stockwerk wechseln können.

In die Pappe haben wir mit der Grabegabel ein paar Löcher gestochen, wie in einen Pizzaboden – Metaphern aus der italienischen Küche können wir auch super, gell?

Diese Löcher dienen der Drainage, damit der Boden unter der Miete nicht austrocknet und verhärtet. Sie helfen den Würmern, unkompliziert die Etage zu wechseln, also dasselbe Prinzip wie in einer Wurmkiste mit mehreren Stockwerken.

Fertig durchlöcherte Pappschicht

So sieht die fertig durchlöcherte Pappschicht dann aus.

Wie ein warmer Apfelkuchen

Wir erinnern uns – ich hatte euch noch heißen Shice versprochen, so here it is:

Schild am Pferdestall

Der Äppel-Boy ist eine Mistgabel aus ultraleichtem Material, so dass das Schippen zügig und ohne Kraftaufwand erledigt ist.

Den Äppel-Boy geschnappt und erst mal in die Pferdebox! Charly ist natürlich grade nicht drin.

Die Schubkarre geschnappt und erst mal in die Pferdebox! Charlie ist natürlich gerade nicht drin.

Collage Pferdemist. Einmal Mistkarre vollgeladen und ab geht's!

Einmal Mistkarre vollgeladen und zurück zum Beet.

Den Pferdemist haben wir reichlich in der Mitte auf die Pappschicht gepackt, er entwickelt in der Rottephase sehr viel Wärme und ist daher sehr gut geeignet, ein Frühbeet zu heizen oder – wie in unserem Fall – in einer Kompostmiete die Heißrotte und damit Kompostierung zu beschleunigen.

Pferdemist in der Mitte der Pappschicht

Pferdemist in der Mitte der Pappschicht.

Pferdemist und vorgerottetes Mulchmaterial

Pferdemist und vorgerottetes Mulchmaterial.

Auch das alte Mulchmaterial kommt zurück auf die Pappe. Es enthält schon massenhaft Rottebakterien und Pilze und ist super geeignet, die neu hinzukommenden Materialien zu impfen. Dazu kommt vorgerottetes Laub, Grünschnitt und Häckselgut, Teebeutel ohne Metallklammer, Kaffeesatz samt Filterpapier, sowie Rüstabfälle – also das Zeug, was nach dem Obst- und Gemüseputzen übrig bleibt. In meiner alten Heimat, dem südlicheren deutschsprachigen Raum und in der Schweiz nennt man Gemüse putzen „Gemüse rüsten“ und den Abfall „Rüstabfall“. Wenn ihr einen guten deutschen Begriff dafür kennt, schreibt ihn in die Kommentare! Außerdem vermahlene Eierschalen für den pH-Wert, Papier und Zellstoff, Eierkartons oder andere kompostierbare Verpackungen, überlagertes Heu, verbrauchter Einstreu aus dem Stall etc.
Ist die Schicht irgendwann gleichmäßig aufgefüllt und schön glatt, kommt die nächste Lage Pappe und darauf erneut die anfallende organische Masse.

Einige Wochen später …

In der Regel wuchern über jede Schicht wieder alle möglichen Beikräuter. Das macht aber gar nichts, die Bodendecker sind eine lebende Mulchschicht und gehen auch problemlos in die nächste Kompostierschicht mit ein.

Maispflanze auf einem mit Gundermann überzogenen Beet

Maispflanze auf einem mit Gundermann überzogenen Beet.

Hier auf dem Bild seht ihr noch ein paar Maisnachzügler. Die werden es aber wohl leider nicht mehr schaffen. Das restliche Beet haben wir mit fermentiertem Laub gemischt mit Häckselgut gemulcht und bauen darauf jetzt Winterblumenkohl und eine späte Spinatsorte an. Wie das mit dem fermentierten Mulchmaterial funktioniert, schreibe ich mal in einem eigenen Beitrag.

Beet mit Maispflanze, halb gemulcht mit fermentiertem Laub

Beet mit Maispflanze, halb gemulcht mit fermentiertem Laub. Wir finden es ganz praktisch, das nachgewachsene Grünzeug nochmal wegzumulchen, so finden sich die frischgesetzten Jungpflanzen leichter wieder und wir können sie schön im Blick behalten.

 

Fertig gemulchtes Mulchbeet

Fertig gemulchtes Mulchbeet. Es duftet wunderbar nach Holz und Tee. Schön, gell?

Wir haben für dieses Beet nur zwei Schichten angelegt, damit unsere schneckenvertilgenden Kröten noch bequem Zugang haben.

Nachzüglermais auf dem fertigen Beet.

Nachzüglermais auf dem fertigen Beet. Wirkt irgendwie schon ganz herbstlich, dabei ist doch erst August!

Ihr könnt aber auch echte Hochstapler werden und euren Schichtkomposter so hoch aufschichten wie ihr wollt beziehungsweise bis zu einer Höhe, in der er noch Stabilität hat oder ihn schon nach wenigen Schichten bepflanzen.
Wenn er bepflanzt werden soll, muss die abschließende Schicht natürlich aus entsprechendem Substrat bestehen. Starkzehrer wie Kürbis, Brassica, Paprika oder Tomaten eignen sich besonders gut für ein solches Beet.
Da unsere Komposter durch Flächenkompostierung und Wurmfarmen kaum noch im täglichen Einsatz sind, werden wir diese ab Herbst mit den entsprechenden Schichten beladen und in Hochbeete umwidmen. Mal sehen, ob das so klappt, wie wir uns das vorstellen.

Wie ist das bei euch? Mulcht ihr eure Beete und wendet Flächenkompostierung an? Schreibt eure Erfahrungen in die Kommentare!

Kategorien: Wurmiversum | Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

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